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Telefonica – Part 1

Beschreibung:

Der europäische Telefon- und Kommunikationssektor konnte sich in den letzten Jahren auf dem gesamten Markt nicht etablieren. Dafür gibt es einige Gründe: a) Das Telekommunikationsgeschäft wurde zu einem sehr zyklischen Sektor. Und mit Beginn der Finanzkrise, kamen die Betriebskennzahlen unter Druck, b) mit Einführung der VoIP-Übertragungsmodelle geriet das traditionelle Geschäft der Telefon-Anbieter unter Druck und c) der Aufbau des 3G- und nun des 4G-Übertragungsnetzes kostete Milliarden.

In jüngster Zeit ist der Telefon-Sektor mit einem neuen Problem konfrontiert: Übertragungsengpässe. In sehr stark bevölkerten Gegenden (Hochhäuser) sowie in stark belasteten Durchgangsstellen, wie Bahnstationen, Stadtzentren etc., ist die bestehende Sende-Infrastruktur überlastet und daher ist eine einwandfreie Übertragung nicht möglich. Eine weitere Ausdehnung des Übertragungsnetzes ist in den meisten Fällen nicht mehr möglich (Wireless-Smog, Reklamationen der Anwohner etc.) und daher müssen die Anbieter ein neues Geschäftsmodell ausarbeiten und einführen.

Bis jetzt haben nur wenige Anbieter das Problem erkannt und neue Angebote ihren Kunden unterbreitet. Im Unterschied zum gegenwärtigen Modell, welches eine dauernde Übertragungs-Dienstleistung bei gleichbleibenden Preisen anbietet, wird das neue Modell eine Dienstleistung mit Prioritätsquote anbieten. Kunden mit der Prioritätsoption haben Vorrang.

Aufgrund zu erwartender Änderungen darf erwartet werden, dass der europäische Telefonsektor weiterhin schwach bleiben wird und gewisse Operatoren zu Übernahmekandidaten werden oder fusionieren. Das spanische Unternehmen Telefonica könnte zu einem Spezialfall werden. Telefonica ist einer der weltgrößten Telefondienstleistungs-Anbieter. Die Gesellschaft bietet Übertragungsdienstleistungen, Informations-, Vergnügungs- und Freizeit-Angebote via Mobile und Festnetz sowie Internet-Datentransfer. Weltweit beschäftigt Telefonica rund 260 000 Mitarbeiter in 25 Ländern (Südamerika, Europa, Amerika, Porto Rico, Marokko). Telefonica ist auch bei der Telecom Italia und bei der China Unicom beteiligt. Telefonica hat weltweit rund 274 Millionen Kunden – den Großteil des Umsatzes und des Gewinns macht das Unternehmen in Südamerika.

Der Betriebsgewinn von Telefonica war in den letzten Jahren viel geringer als erwartet. Dies ist zum einen der Finanzkrise zuzuschreiben (die Schwäche der südamerikanischen Währung gegenüber dem Euro) und zum anderen hat die Regierung von Venezuela die Gewinne von Telefonica-Venezuela beschlagnahmt.

Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung in Europa (der Konjunktur-Optimismus kommt zurück, in den Hauptländern wird die Stimmung der Konsumenten wieder besser und das Bruttoinlandsprodukt ist wieder im Aufwärtskurs) könnte es sein, dass die Telekommunikationstitel wieder entdeckt werden.

In der letzten Zeit gab es Gerüchte, dass die Telefonica ein Übernahmekandidat sei und dass das Unternehmen AT&T ein Angebot ausarbeiten würde. Eine Übernahme durch die AT&T würde Sinn machen, da diese in den meisten Gebieten, in welchen die Telefonica eine positive Geschäftsentwicklung hat, keinen oder nur einen kleinen Marktanteil hat. Und finanziell gesehen wäre für die AT&T der Kauf der Telefonica sicherlich preiswert. Auf der einen Seite kann Sie eine Obligation auflegen, welche einen tiefen Coupon hat, und auf der anderen Seite bietet die Telefonica ihrem Investor (in diesem Falle: AT&T) eine Dividende von circa 5 %. Wissenswert ist auch: Die spanische Regierung hält gewisse Anteile an Telefonica und Letztere ist sehr interessiert, möglichst schnell Schulden abzubauen.

Stärken- und Schwächen-Analyse / Fundamental-Analyse:
Stärken
:

  • Die EBITA-Margen der TEF für den spanischen Markt sind sehr gut.
  • Ein Großteil des Betriebsumsatzes wird in Latein-Amerika gemacht – hier wird höheres Wachstum erwartet.
  • Da die Telefonica über ein sehr attraktives Portfolio an Kunden und eine gute internationale Struktur verfügt, könnte TEF zu einem Übernahmekandidat werden. 


Schwächen:

  • Wegen des wirtschaftlichen Abschwunges wird eine Vorschau auf Erträge noch nicht möglich sein.
  • Das gegenwärtige Geschäftsmodell der Telefongesellschaften wird in naher Zukunft Änderungen mit sich bringen.
  • Der gegenwärtige Entschuldungsprozess ermöglicht es nicht, dass TEF die operationalen Chancen ausnutzen kann.
  • Die Telefonica hat einen höheren Preis für eine Minute Gesprächsübertragung als die Konkurrenz.