Ich liebe es, mich in das nächste Jahrzehnt zu projizieren. Diese Übung ermöglicht das Kristallisieren von möglichen langfristigenWachstumstrends, die schlussendlich in Investitions-Ideen umgesetzt werden können (sofern diese realisierbar erscheinen). Diese Aufgabe ist Teil meines Arbeitsbereiches. Die Beurteilung soll nicht nur sofortige Investitionsmöglichkeiten resultieren, sondern auch – und dies ist noch wichtiger – längerfristige Trends, allgemeine Entwicklungen und Veränderungen (die bereits im Gang sind) verstehen und wie diese in langfristige Investitionsresultate umgewandelt werden können. Einige Trends sind deutlich sichtbar, andere brauchen etwas Zeit, damit man sie erkennt – zum Beispiel: Wer dachte vor 10 Jahren, dass die chinesische Behörden sich aktiv an der Suche nach einem verlorenen Flugzeug im südlichen Teil des Indischen Ozeans beteiligen werden?
Nachfolgend behandeln wir 3 wichtige Trends, die uns mit größter Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten stark beeinflussen werden: 1) Demografische Veränderungen, 2) Internet der Dinge (IdD) und die Banken-Branche sowie 3) Auswirkungen der raschen Zunahme von Schiefergas-Ressourcen
Demografische Veränderungen:
In den letzten 18 Monaten hinkte die Wertentwicklung der Aktien von Gesellschaften aus Schwellenländer weit hinter den entwickelten Märkten hinterher. Wir sind jedoch der Auffassung, dass dieser Trend nur ein relativ kurzfristiges Ereignis sein wird. Aufgrund von fundamentalen Veränderungen werden diese Märkte früher oder später wieder auf Vordermann kommen.
Es gibt nicht nur wirtschafliche Anzeichen, dass der Schwerpunkt der geopolitischen Welt sich vom Westen in den Osten verlagert, sondern auch politische. Dies ist zwar ein längerfristiger Prozess, aber in der Vergangenheit begannen solche Wandlungen oft unbemerkt zu Beginn einer Phase. Heute gibt es eine Reihe von Früh-Indikatoren, die mögliche Veränderungen ankündigen, beispielsweise a) die westliche Handhabung der Krise in der Ukraine, b) das immer einseitigere und unmissverständliche Denken einiger Staaten, c) die immer größer werdende “elektronische Überwachung” der Bürger, d) der extrem dogmatische Ansatz regierender Parteien und e) die sehr wahrscheinliche Depolarisation des EU-Parlaments.
In der Verangenheit gab es schon immer entscheidende Augenblicke und wir fragten uns, warum es diemals gleich sein könnte? Auf der einen Seite haben wir fest etablierte Länder mit Regierungen, die wenig Hoffnung auf Veränderungen aufbringen und die Politik des Status Quos betreiben. Und auf der anderen Seite haben wir Länder, die eine zukunftsorientierte Strategie mit gut ausgebildeten Menschen führen. Dies gilt insbesondere für kleinere Staaten. Tatsächlich verhält es sich so, dass viele kleinere Regionen, die nur begrenzt natürliche Ressourcen haben, sich verstärkt auf intellektuelle Fähigkeiten stützen. Diese Regionen sind somit auf lange Sicht attraktiv für Investitionen. Des Weiteren wirken dann diese kleineren Randregionen wie Magnete für Menschen und deren wirtschaftlichen Tätigkeiten. Schlussendlich gibt es neu urbane und industrielle Ballungszentren.
Aus einer Studie der PWC ist ersichtlich, dass bis ins Jahr 2025 mehr als 600 Millionen Menschen aus der Armut hinauskommen. Handfeste Anzeichen für diese Entwicklungen sind: a) neue wirtschaftliche Aktivitäten, b) selbsttragende wirtschaftliche Aktivitäten, diese führen zu höheren privaten Ersparnissen und Investitionen und c) die Schaffung eines sozialen Sicherheits-Systems (wenn auch noch weit von westlichen Standards entfernt).
Des Weiteren ist aus diesem Rapport ersichtlich, dass heute etwa die Hälfte des weltweit wirtschaftlichen Wachstums auf 750 Millionen Haushalte in 600 Mega-Metropolen verteilt ist. Im Jahre 2030 werden rund 400 Mega-Metropolen in aufstrebenden Regionen sein und fast 2/3 des globalen Wachstums wird in diesen Regionen erwirtschaftet.
Treiber für die Entwicklung der Aktienmärkte
Obwohl das Wirtschaftswachstum in den asiatischen Schwellenländern (EMA) voraussichtlich in naher Zukunft nie mehr größer als 10 % pro Jahr sein wird, darf angenommen werden, dass das längerfristige Wachstum von besserer Qualität als in der Vergangenheit sein wird. Die entwickelten Märkte (DM) werden nur noch sporadisch überdurchschnittliche Wachstumsraten haben. So zum Beispiel sank in den 60er-Jahren die durchschnittliche Wachstumsrate in Deutschland von 5,4 Prozent pro Jahr. Seit Längerem liegt das durchschnittliche Wachstum bei einem Prozent. Eine weitere Tatsache für die entwickelten Märkte ist, dass die Bevölkerung rückgängig ist, was die Wachstumsrate in diesen Gebieten natürlich beschränkt.
Tatsache ist, im Jahr 2025 werden lediglich 28 % der Weltbevölkerung in der westlichen Welt leben und sehr viele werden das Rentenalter erreicht haben. Positiv wird sein, dass die Arbeitslosenquote in den westlichen Ländern sich langfristig auf einem tieferen Niveau einpendeln wird. Diesem Paradox soll jedoch wenig Bedeutung beigemessen werden.
Im Gegenteil, diese Veränderungen machen die Schwellenländer für Investitionen attraktiv und dies wird wiederum verstärkt demografische Veränderungen und Völkerwanderungen. In Schwellenländern werden alle Sektoren im Gleichschritt profitieren und in den entwickelten Ländern werden die meisten Aktivitäten abflauen. Die Ausnahme wird der Sektor Dienstleistungen im Gesundheitswesen sein, weil dieser eine immer älter werdende Bevölkerung bedient.
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Das Internet der Dinge (IdD) und der Bankensektor
Definition: IdD (Internet der Dinge) bezieht sich auf das Konzept der eindeutig identifizierbaren Geräte des täglichen Gebrauchs (z. B. Haushaltsgeräte, Automobile, Industriemaschinen, Stromnetze, Systeme zur Verkehrsregelung und Dienstleistungen im Gesundheitswesen) ausgestattet mit Sensoren, Mikrocontroller und Wireless Modulen, die eine Interaktion mit der internen und externen Umwelt zur Erfassung und Analyse von Daten in Echtzeit ermöglichen.
Das Internet entwickelte sich vor fast 25 Jahren, heute ist es aus unserem Leben (Unterhaltung, Kommunikation, Business, Bildung etc.) nicht mehr wegzudenken. Es ist gewiss eine der leistungsfähigsten Innovationen in der Geschichte der Menschheit. Über die Jahre hat sich die Nutzung von statischen Informationen zu E-Commerce bis hin zu Social Networking verändert. Die nächste Phase der Evolution wird die Integration von physischen Objekten (Fahrzeuge, Haushaltsgeräte oder einfach alles, was man sich nur vorstellen kann) sein. Dieses Phänomen nennt man Internet der Dinge (IdD).
Anlageidee: In der heutigen Welt sind Technologie und Konnektivität (Verbindung) die Treiber eines neuen Wirtschaftszyklus. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Verbindungen einen “unvergleichlichen Wert” auf bereits verfügbare Produkte und Dienstleistungen hinzufügen. Viele von diesen Anwendungen verstärken und maximieren die Nutzung vorhandener Ressourcen – verteilt auf die allgemeine Bevölkerung – die dann vom weiteren und besseren wirtschaftlichen Ausbau profitiert. Dies wird ganz allgemein einen besseren Lebensstandard herbeiführen. Dies gilt für allgemeine Produkte und Dienstleistungen und insbesondere auch für den Bankensektor.
Jedoch stellen wir fest, dass der Finanzsektor bis jetzt von einer grundlegenden Erneuerung ausgeschlossen war. Ist dies, weil die Finanzindustrie dachte, dass die Industrialisierung von Dienstleistungen nie passieren würde und ein “business as usual” (Geschäfte wie gewohnt) weiterhin funktionieren werden, oder ist dieser Sektor von einer Modernisierung nicht betroffen? Diese Frage ist berechtigt, weil ein Sektor, der keine neuen Technologien einsetzt, gezwungen ist, sich auf die eine oder andere Weise umzustrukturieren und sich anzupassen. Wir stellen jedoch fest, im Finanzsektor wird der Übergang schwieriger zu erreichen sein, weil eine Statusänderung stattfindet, d. h. ein Service wird zu einem Produkt.
In Zukunft werden die Treiber sein “Wie viel Wert eine neue Konnektivität der Aktiengesellschaft bringt” und wie diese in eine Gesellschaft eingegliedert und verkauft werden können. Mit anderen Worten: Wie viel kann von den bisher zur Verfügung gestellten persönlichen Leistungen durch moderne Technik ersetzt werden, um unser Wissen und unsere Kenntnisse besser zu nutzen, um den Endverbraucher anzusprechen und bedienen zu können?
Letztes Jahr veröffentlichte Cisco ein faszinierendes Weißbuch, welches einen Überblick und Vorschlägen zum OIE-Index gibt. Cisco hat errechnet, dass durch den Internet-Anschluss von Geräten (vor allem durch das Verbinden von Computern und mobilen Geräten) Unternehmen bereits USD 613 Milliarden zusätzlichen Gewinn pro Jahr generieren. Weiter berechnet Cisco, dass dies nur 50 % der Möglichkeiten des Internets sind, um Gewinne zu fahren. In den nächsten 10 Jahren dürften die Unternehmen, die im “Internet der Dinge” engagiert sind, Gewinne von mehr als USD 14,4 Billionen machen. Im Grunde genommen hat es für Unternehmen 15 Jahre gedauert, um 50 % der Produktivität des Internets nutzen zu können. Um die nächsten 50 % der Produktivitätssteigerung zu erarbeiten, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verbindung von “Dingen” nötig sein.
Die zusätzlichen Gewinne, die durch die Verbindung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Internet entstehen, sind etwa zu gleichen Teilen aufgeteilt: bessere Auslastung der Infrastruktur, höhere Produktivität der Mitarbeiter, Verbesserung der Workflow-Verwaltung, eine bessere Kundenerfahrung und eine Erhöhung der F&E-Produktivität. Cisco geht davon aus, dass ein großer Teil des Industrie- und Dienstleistungssektors durch die Verfügbarkeit der künstlichen Intelligenz und Robotik beeinflusst wird. Cisco stützt diese Resultat-Analyse auf historischen Ergebnissen. Zum Beispiel wie die Automobilindustrie oder der Einzelhandel höhere Gewinne durch den Einsatz von Technologie erzielte. Nicht bekannt ist allerdings, ob es sich hier um konservative Schätzungen handelt oder ob nicht doch der eine und andere Trend hochgerechnet wurde.
Demnach haben wir alle inzwischen gemerkt, dass sich etwas verändert hat – keine Branche kann sich dieser Sache entziehen. Die Einführung der IdD in der Bank- und Vermögensverwaltungs-Industrie wird Trends und Geschäftsinteressen (nicht nur auf den neuen Märkten) zu neuen leistungsstarken Spezialisten und “Enablers” verlagern. Die Tatsache ist, dass sich Pudong (Shanghais erste Freihandelszone) zu einem der weltweit wichtigsten Finanzzentren innerhalb der nächsten 5 Jahre mausern wird. Dies beweist, dass sich die Dinge bewegen, schneller als man sich vorstellen konnte.
Während in der Vergangenheit nur noch Mega-Institutionen im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungs-Management aktiv waren, ermöglichen die digitalen Technologien von morgen sogar den kleinsten unabhängigen Vermögensverwalter als “Micro-Multinationals” anzutreten und die Betreuung von Kunden aus 5 verschiedenen Kontinenten auszuführen. Diese neue Ära verbreitet und vertieft für jeden die Marktchance, denn alle konkurrieren mit den gleichen Mitteln. Es gibt jedoch auch ein paar Voraussetzungen für diesen Erfolg: a) Bereitschaft, sich zu verändern, b) perfekte Vorgehensweise in der Übergangszeit, c) kontinuierliche Sicherung der Daten und d) Schutz der Privatsphäre und Sicherheit.
In dieser sich schnell verändernden Welt werden traditionelle Vermögensverwalter aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen. Entweder sie stellen ihre Dienste dem Massenmarkt zur Verfügung oder sie versuchen ihre Leistungen als Exklusiv-Anbieter (ähnlich wie Gucci) anzubieten.
Aber wir stellen fest, es gibt auf der ganzen Welt 50 Millionen Menschen, die behaupten, ein- oder zweimal im Jahr ein Gucci-Shopping-Erlebnis zu beanspruchen. Jedoch stellen wir fest, dass nur gerade 100.000 Menschen am UNHW-Vermögensverwaltungs-Management-Markt teilnehmen können. Folglich ist der IdD-Markt im Zusammenhang mit Transformation sehr interessant und wettbewerbsfähig. Nur die Unternehmen, die mit einem echten Sinn für Innovation handeln, neue Technologien anpassen und sich auf die Bedürfnisse der Kunden transparent, schnell und angemessen konzentrieren, werden sich ihren Platz in dieser “schönen, neuen Welt” sichern. Befindet sich die “Asseet-Management-Industrie” nah an der Quadratur des Kreises?
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Die Bedeutung und Chancen mit der Schiefergas-Ausbeutung
Der erste Eindruck täuscht. Die rasant steigende Verfügbarkeit von Schiefergas wird weltweit nicht die soziale und wirtschaftliche Stabilität verbessern – wir vermuten, auf lange Sicht wird das Gegenteil der Fall sein.
Mit der schnell wachsenden Verfügbarkeit von Schiefergas befindet sich der Energiesektor in einer unvorhersehbaren Umstrukturierung. Welche Auswirkungen dies auf industrielle, wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen haben wird, kann jetzt noch nicht geschätzt werden. Die Frage, die wir derzeit nicht beantworten können, lautet: Sind wir auf dem Weg von einer Krise in eine Chance oder bewegen wir uns von einer Chance in die Krise? Eine Umverteilung von Zuständigkeiten entsteht – und in diesen Phasen ist alles möglich!
Was ist bisher passiert?
Die rasante Entwicklung der amerikanischen Schiefergas-Industrie und deren weltweiten wirtschaftlichen Auswirkungen sind erstaunlich. Auch wenn dieses Phänomen bis dahin nur US-spezifisch war, und es wird voraussichtlich auch so bleiben, sind seine Auswirkungen weltweit sichtbar. Bislang waren die USA ein marginaler Exporteur von Kohle, aber schon ab dem Jahre 2016/2017 wird die USA zu einem Exporteur von Flüssiggas (LNG) sein. Das Ausmaß und die Möglichkeiten der USA, die LNG-Exporte zu steigern, sind sehr umstritten und unsicher. Dies aufgrund starker Lobbygruppen zugunsten anderer Produkte. Aber letzten Endes kann man annehmen, dass es zu einer Zunahme der Exporte kommen wird. Den positiven Einfluss wird der hohe Grad an Innovation in der horizontalen Bohr- und Hydraulik-Fracturing (Fracking) haben, der größere Sicherheit und mehr Ökologie bietet.
Gemäß einem Bericht der Energy Information Agency Bericht (EIA), werden die technisch gewinnbaren Reserven auf 7,3 Billionen Kubikmeter geschätzt; jedoch wird ein großer Teil dieser Reserven durch das Fehlen von Wasser, ökologischer Bedenken sowie durch das Fehlen einer Hightech-Infrastruktur zur Unterstützung der Raffination physisch nicht zugänglich sein. Insgesamt wird angenommen, dass nur etwa auf 1/3 der derzeit verfügbaren Reserven zugegriffen werden kann. Was noch wichtiger ist, mehr als 60 % dieser Erdgasvorräte befinden sich in den entwickelten Ländern. Nach einer Studie der Exxon Mobil Gruppe sinkt bis zum Jahr 2040 (gerechnet ab dem Jahr 2000) das globale Öl-Abhängigkeitsverhältnis von 40 % auf weniger als 33 %, während das Gas-Abhängigkeits-Verhältnis im gleichen Zeitraum von 22 % auf knapp 30 % steigen wird.
Die Beschaffungsmöglichkeit der Game Changer!
Energie-Ressourcen finden Sie auf der ganzen Welt. Die Beschaffung Angebots-Nachfrage-Dynamik war – bis jetzt – zwischen den Entwicklungsländern auf der Angebotsseite und den entwickelten Ländern auf der Nachfrageseite gut ausgewogen. Morgen werden sich sehr wahrscheinlich Angebot und Nachfrage mehr auf der lokalen Ebene (als auf internationaler Basis) abspielen. Mit dieser Information im Hinterkopf werfen wir nun einen Blick auf die wichtigen Regionen der Schiefergas-Produktionsmöglichkeiten:
Europa: Die Schiefergas-Entwicklung ist in Europa sehr viel komplexer als in den USA. Erstens, die Bevölkerungsdichte ist in Europa höher als in den USA und die Schiefergas-Becken sind auch die Heimat von Millionen Menschen. Zweitens, der ökologische Aspekt ist genauso hoch oder sogar noch höher als der Wunsch nach wirtschaftlichem Erfolg. Drittens, aus geologischer Sicht liegen die europäischen Schiefergasreserven in sehr viel komplexeren Formationen als die der USA. Daher sind die Kosten der Schiefergas-Nutzung in Europa deutlich höher als in den meisten anderen Regionen. Darüber hinaus wird künftig der “alte” Kontinent mangels fehlender Kernenergie und durch das Einführen von alternativen Energiequellen vor eine große Herausforderung gestellt. Regionen mit einer bestehen Gasnutzungs- und Verteilungs-Infrastruktur könnten langfristig gesehen einen Vorteil erarbeiten.
USA: Bemühungen, die Verschmutzung der Gewässer zu beseitigen und zukünftig zu verhindern, die Sorgen um steigende seismische Aktivitäten und die Notwendigkeit zerstörten Oberflächen zu sanieren, führen zu höheren Kosten. Im gleichen Zeitraum steigt die Produktion von Schiefergas an und dadurch können Kosten, die zur Rehabilitation anfallen, über mehr Volumen verteilt werden. Dadurch wird die USA zu einem der wichtigsten Billig-Hersteller von Schiefergas werden und wird die Richtung der Energiepolitik bestimmen können.
Naher Osten: Die Forschung und Entwicklung einer aussagekräftigen Schiefergas-Industrie erfordern den Zugang zu wesentlichen Frischwasserreserven. Etwas, das nicht ohne Weiteres in den meisten OPEC-Ländern verfügbar ist. Während fossile Ressourcen zur Verfügung stehen, aber deren Ausbeutung immer teurer wird, stellt diese Gleichung ein echtes Problem für diese Nationen dar. Denn sie brauchen zum Ausgleich ihrer sozialen Ausgaben die Einnahmen vom Verkauf ihrer Öl- und Gas-Reserven. Hohe Ölpreise (und gleichzeitig sinkende Produktion) führen in anderen Ländern zu einer Erhöhung der Schiefergas-Entwicklung – und dies gefährdet letztendlich die prekäre Stabilität im Nahen Osten.
Russland: Dieser Kontinent hat wahrscheinlich die wichtigsten Schiefergasreserven. Das Problem ist aber, Russland muss sich erst noch zu einem zuverlässigen Anbieter im Energiebereich entwickeln. Die Schiefergas-Becken sind zentral gelegen, sind mehr oder weniger gleich weit entfernt von den wichtigsten Kunden (Europa und Asien). Ab dem Jahre 2016/2017 wird weltweit eine der größten LNG-Anlage “online” zur Verfügung stehen, damit wird Russland wohl zum wichtigsten Export-Anbieter auf dem Markt werden.
China: Der chinesische Energieverbrauch ist noch immer Kohle. Dies wird sich jedoch ändern. Bis zum Jahr 2020 wird sich der chinesische Gasverbrauch auf rund 25 % des weltweiten Verbrauchs erhöhen. Diese Nachfrage wird vor allem durch externe Lieferanten abgedeckt. Die Erschließung und die Ausbeutung der eigenen Schiefergasbecken wird sehr unwahrscheinlich bleiben, da die notwendige Technik und das Wasser fehlen.
Japan: Nach der Fukushima-Katastrophe, begann Japan seinen Energieverbrauch zu ändern. Heute stammt ungefähr 1/3 der globalen LNG-Nachfrage aus Japan. Wann und wie wird das Land einen Neustart seines Nuklearprogramms offenlegen? Dabei sollte der kurzfristige Einfluss auf den LNG-Preis nicht unterschätzt werden. Die japanische Energie-Politik wird Auswirkungen auf Zulieferer in Kanada, Australien und die USA haben.
Gibt es einen erkennbaren Trend?
Die Energieproduktion von morgen wird viel näher am Endverbraucher stattfinden. Während heute mehr oder weniger ein Gleichgewicht und ein Respekt zwischen Erzeugern und Verbrauchern herrscht, wird diese Situation morgen nicht mehr bestehen. Daher wird der Preis für Energie nicht nur die Angebot-Nachfrage-Funktion widerspiegeln, sondern auch eine Signaturfunktion der nationalen Einstellung und Gewohnheiten sein.
In diesem Gewinnen-Verlieren-Spiel sind Regionen wie der Nahe Osten und Nordafrika voraussichtlich erheblich negativ beeinflusst. Während die USA, Japan und Italien möglicherweise als Sieger hervorgehen werden. Im Falle der USA, verhält sich die Angebot-Nachfrage-Funktion sehr dynamisch. Des Weiteren hat der Kontinent die Fähigkeiten, sich wirtschaftlich ziemlich schnell und positiv zu verändern. Italien und Japan werden vor allem vom günstigen Gaspreis und dem steigenden Verbrauch im eigenen Land profitieren dürften.
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