Tanz ums „Goldene Kalb“
Professor Schiltknecht schreibt, dass die Stärke einer Währung die Geldpolitik und die Wirtschaftskraft widerspiegelt. Diese Auslegung ist a priori richtig, aber historisch betrachtet hängt die Wirtschaftskraft langfristig von der Geldpolitik ab – die Preisstabilität bietet die eigentliche Grundlage für gesunde und nachhaltige unternehmerische Leistung. Sie erlaubt Planungssicherheit für Firmen und und ermöglicht die Ausweitung des öffentlichen Sektors.
Seine Begründung, dass der Anlageerfolg des Goldes stark vom Zeitpunkt des Kaufes abhängt, ist zwar nachvollziehbar, aber objektiv betrachtet gilt dies für alle Käufe von Finanzanlagen – seine Argumentation muss also auch für Obligationen gelten, die unsere Notenbank hält. Da die Wertschriften zum Marktpreis bilanziert werden (Gewinne werden ausbezahlt oder zurückgestellt bzw. Verluste davon abgezogen) müssen wir uns vor Augen halten, dass mindestens die „Festverzinslichen“ zu historischen Höchstpreisen in den Büchern liegen – die Renditen von 10jährigen Eidgenossen rentieren sich weniger als 0,50 % p. a. Und ein Anstieg dieser Papiere von nur 100 Basispunkten würde Milliardenverluste verursachen, von denen heute noch niemand spricht …
Alsdann geht Professor Schiltknecht auch auf die fehlende Rendite des Goldes zwischen 1792 – 1932 ein. Spannend. Genau in diesen Perioden (viktorianisches Zeitalter) verfolgten die einflussreichsten Zentralbanken (exkl. Reichsbank) einen Goldstandard. Die Preise blieben mit wenigen (kurzen) Unterbrechungen sehr stabil, was den Wohlstand in all diesen Ländern extrem ansteigen ließ.
Der Verfasser des Artikels schreibt weiter, dass sich die Anleger mit dem Ausbruch der Bankenkrise erneut ins Gold stürzten. Dies ist ohne Zweifel falsch! Die Goldhausse startete 2001 bei USD 260/oz und erreichte im Frühjahr 2008 einen Zwischenstand von knapp über USD 1.000; danach sank der Preis mitten in der Bankenkrise auf ca. USD 700. Erst die Ankündigung massivster Ausweitung der US-Zentralbankbilanz im Spätsommer 2008 verlieh Gold erneuten Aufwärtsdruck – die Anleger befürchteten, dass der Geldwert verwässert werden wird, und kauften Gold. Auch seine Angst, dass in Krisensituationen Goldkäufe eine Blase bilden könnten, scheint etwas weit hergeholt zu sein. Erstens hat die Nationalbank in der letzten Krise kein Gold, sondern Devisen (sprich Euros) gekauft. Dies würde sie auch künftig tun. Um die Bilanz nicht über die getätigten Fremdwährungskäufe noch mehr auszudehnen, kann sie die Devisen gegen Gold eintauschen. Hand aufs Herz: Wo liegt der Unterschied zwischen der People Bank of China, die ihre Währung gegenüber dem USD auch nicht aufwerten lässt und die aus der Handelsbilanz die resultierenden Überschüsse teilweise in Gold anlegt, und der Schweiz, die ihre Währung gegenüber dem Euro nicht aufwerten lässt und, gemäß Goldinitiative ebenfalls Gold kaufen sollte?
Aus meiner Sicht ist unsere Notenbank im „Gresham Law“ (Greshamsches Gesetz) gefangen, das besagt, dass gutes Geld das schlechte Geld verdrängt. Oder pragmatischer ausgedrückt: Wenn verschuldete Länder (USA, UK, Europa) die Notenpresse anspringen lassen, dann flieht das Geld in andere Währungen; irgendwann werden für die soliden Länder die Handelsnachteile so groß sein, dass sie dem Druck nachgeben müssen und ihrerseits die Geldmenge ausweiten oder die eigene Währung an schwache anbinden. Andersrum ausgedrückt – ein frei konvertierbarer Franken widerspiegelt nicht nur die eigene Wirtschaftsstärke, tiefe Verschuldung etc., sondern hält auch die Schwächen von unseren Handelspartnern! Was kommt ist absehbar: Diese Länder werden abwechslungsweise immer neue Phasen des Gelddruckens ankündigen, damit ihre Währungen mehr oder weniger im Gleichgewicht mit den Handelspartnern bleiben. Der übergeordnete Effekt liegt dann darin, dass dem Güter- und Dienstleistungsstrom ein immer größerer Geldumlauf gegenübersteht – es folgt Inflation!
Es stellt sich eigentlich nur die Frage, ob in unserem Land die Sparer und Anleger sich selbst vor diesem Abwertungswettlauf schützen müssen, oder ob die SNB dies (teilweise) übernehmen kann. Unsere Notenbank kann sich keinesfalls dem „Gresham Law“ entziehen und dies sollte auch zum Schutze unseres SNB-Direktoriums offen ausgesprochen werden. Es wäre vermessen, Herrn Jordan und seinen Kollegen in den Mund zu legen, dass sie einen demokratischen Volksentscheid zugunsten der Goldinitiative insgeheim begrüß würden – aber sicherlich darf man sagen, dass Kollegen anderer Notenbanken ihnen nicht vorwerfen können, dass sie bewusst die weltweite Inflationierung torpedieren. Denn diese Herren wissen, dass deren Spagat nicht aufgehen kann: ihren Staaten helfen sie mittels Inflation, die Schuldenlast zu reduzieren, und dem gesamten Land gegenüber sind sie verpflichtet, Preisstabilität zu garantieren. Die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Verfechtern und Gegnern bzw. die mögliche Ablehnung der Initiative bringt unserem Land auf jeden Fall etwas Gutes: der Bürger wird sich der SNB-Bilanzrisiken bewusster und kann, sollte sich das Volk am 30. November 2014 nicht für ein „Ja“ durchringen können, selber vorsorgen. Gold und deren Anlageprodukte können unkompliziert erworben werden.
