Warum wir die politische und ökonomische Stärke von Russland nicht ignorieren sollten!
Durch seine geografische Lage, die politische und kulturelle Geschichte, sowie seinen unschätzbaren Ressourcen, hat Russland einen wichtigen Platz unter den großen Nationen. Die gesamte Strategie, die Herr Putin aufgebaut hat, basiert auf den Stärken des Landes. Sicher ist, Russland hat heute weder große politische noch ökonomische Verbündete. Herr Putin ist sich aber bewusst, dass sein Volk der beste Verbündete und eine starke Unterstützung für seine politischen Entscheidungen ist. Das ist nicht überall der Fall. In der Tat, noch nie in der modernen Geschichte befürworteten so wenig Bürger die Politik der westlichen Regierungen. Die letzte Episode diesbezüglich war der G-20-Gipfel in Brisbane, bei dem ein einziger Mann die Meinung der Bevölkerung, die ihn gewählt hatte, berücksichtigt hat.
Unsere Führungskräfte und die Printmedien versuchen uns zu sagen, dass Russland ein Problem ist und dass dieses Land nicht in der „Welt-Symphonie“ mitspielt. Wir glauben aber, dass dies nicht wirklich der Fall ist. Stellen wir uns eine Welt ohne Streit für Gebiete und natürliche Ressourcen aller Art vor. Natürlich ist dies praktisch unmöglich, denn seit Beginn der Zeit wird um Land und um Rohstoffquellen gefeilt! Anders als in der Vergangenheit werden nun Spannungen künstlich von westlichen Regierungen aufrechterhalten. Die Entwicklungen im Nahen Osten während der letzten 50 Jahre sind ein kristallklares Beispiel. Mit welchem Zweck? Wir können uns hier eine Vielzahl von Gründen vorstellen, aber die wichtigsten sind wohl die folgenden: Rhetorik und Propaganda, politische Gründe (Wiederwahl), Ablenkung von den eigenen Problemen (mit anderen Worten: ein Eingeständnis des Versagens), Mangel an Weitsicht (unsere gewählten Vertreter sind nicht weitsichtiger als Sie und ich), absolute dogmatische Verhaltensweise gegenüber einem Problem.
Das Vorhergehende gilt wohl für jede Art von Nation, die in einen Interessenkonflikt geraten ist. Deshalb bevorzugt unser Investitionsentscheidungsprozess höhere Qualitätskriterien, wie historisches Wissen, geografische Aspekte und Analysen, wo und wie Langzeit-Wachstum erarbeitet wird. Auf welche Art und Weise können wir dies für die Gesellschaften der großen Entwicklungsländer anwenden? Würden wir diese Ausgangslage für unsere bevorzugten Unternehmen vollumfänglich anwenden, würde die Aktienkultur einen schweren Schlag erleiden. Denn seit langer Zeit treten die entwickelten Länder als Prädatoren auf. Darüber hinaus sind die veröffentlichten Statistiken mehr oder weniger gefälscht, je nach unmittelbarem Bedarf oder noch schlimmer, Informationen werden vorenthalten.
Gehen wir zurück zum Wesentlichen! Seit 2009 sehen einige der wichtigsten Länder ihre Volkswirtschaften wieder im Aufschwung. Die Vereinigten Staaten von Amerika beherrschen ihre Erholung, wie es im Textbuch steht. Manchmal wird gemogelt und verschönert, denn nicht alle Sektoren profitieren in der gleichen Weise von dem Aufschwung. Das derzeitige Wirtschaftswachstum wird vor allem durch Wiederindustrialisierung des Landes und durch die Inbetriebnahme von zahlreichen Bohrstätten für die Ausbeutung von Schiefergas angetrieben. Nach unseren Erwartungen wird jedoch diese Situation nicht ewig dauern. Denn sollte der Fass-Preis von Rohöl unter USD 75,- fallen, arbeiten die meisten neuen Bohrstätten mit einem Verlust. Des Weiteren weisen die meisten westlichen Staaten ungünstige langfristige Trends auf. Dies in Bezug auf: a) das durchschnittliche Alter der Bevölkerung nimmt zu, b) Produktivitäts-Effizienzsteigerungen führen zu tiefen Inflationsraten, c) entwickelte Länder sind in hohem Maße von interkontinentalen Einfuhren abhängig und d) es gibt einen riesigen Schuldenüberhang in staatlichen und privaten Haushalten.
Nach unseren Erkenntnissen gibt es nur wenig Raum für größere volkswirtschaftliche Veränderungen in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Inflationsraten, Wachstumsraten, und daher die Zinsen, sollten keinen erheblichen Veränderungen unterstellt sein. Anders ausgedrückt, mit einem kleineren Wirtschaftswachstum als in der Vergangenheit (für das nächste Jahrzehnt wird das globale Wachstum schätzungsweise zwischen 3,0 und 3,5 % pro Jahr liegen) bleiben die Zinsen in den entwickelten Ländern mehr oder weniger auf dem heutigen Niveau. Noch wichtiger ist, jeder Versuch, eine geldpolitische Straffung aufzubauen, wird zu irreparablen Schäden in den westlichen Volkswirtschaften, die sehr empfindlich auf Finanzierungskosten sind, führen.
Und wo steht Russland diesbezüglich?
Der Rückgang der Bevölkerung russischer Herkunft ist unaufhaltsam und seit 1920 konstant. Wirtschaftlich und geografisch stellte sich dieses Land mehreren Problemen in den letzten Jahrzehnten. Heute ist Russland immer noch eines der größten Länder der Welt mit einem starken Hang gegenüber dem asiatischen Kontinent. Seit einigen Jahren wird eine Völkerwanderung im gesamten östlichen Teil des Landes beobachtet. Die Zuwanderung stammt vor allem aus dem chinesischen Raum. Die Wiederbelegung dieser Region, die fast vollumfänglich verachtet wurde am Ende der Sowjetunion, ist ein sehr positives Signal für die Wiederentwicklung des Handels. Die chinesischen Einwanderer setzen sich mit ihrem hohen Geschäftssinn ab. Basierend auf einer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung von China, steht deshalb die wirtschaftliche Entwicklung des MRC-Beckens unter einem guten Omen. Des Weiteren sind wir der Auffassung, dass eine Reihe von interessanten Investitionsmöglichkeiten in der Region stattfinden werden. Einer der Hauptgründe ist, dass der künftige Energietransfer von Russland nach China und weiter bis nach Korea und Indien durch diese Region führen wird. Um diese Gelegenheit in den Kontext zu stellen, nennen wir den Vertrag, der Russland mit China über die Gasversorgung für die Dauer von 30 Jahren und einem Volumen von etwa 400 Milliarden Dollar im Frühjahr 2014 abgeschlossen hat.
Wie jeder erfahrene Anleger schauen wir nach sicheren Wachstumswerten. Das Wachstum ist in den Entwicklungsländern nicht das Problem, und daher wird es zur notwendig, dass andere Faktoren berücksichtigt werden. Um festzustellen, ob eine Investition gültig ist oder nicht, arbeiten wir auf zwei Ebenen. Auf der Ebene „Top-Down“ schauen wir auf das Zusammenspiel von Punkten wie: Verbreitung von Konsumkrediten und Kreditkarten-Zahlungsmöglichkeiten, ausländischen Investitionen und die Abhängigkeit von Rohstoffen. Im „Bottom-Up“-Bereich schauen wir nach Werten, wie die Erarbeitung von freien Cashflows, die Fähigkeit zur Innovation (mit Wissen, dass Kopieren die Norm ist) und der Wirtschaftssektor, in welcher die Gesellschaft tätig ist. Insgesamt sind wir der Meinung, dass die nächste Runde von Wachstum in der MRC-Region sich im Dienstleistungsbereich (ohne Banken) und bei der Erzeugung und der Verarbeitung von Lebensmitteln abspielen wird. Es ist spannend zu beobachten, dass sich im Hintergrund eine ganze Reihe von Änderungen abspielen. Die russisch-chinesische Bevölkerung, einst unterstellt und indoktriniert, ist immer besser ausgebildet und bevorzugt heute einen pragmatischen und unabhängigen Ansatz. Dies sollte sich positiv auf die Entwicklung von Dienstleistungen und Handel auswirken.
Gibt es noch andere Faktoren mit einem möglichen Einfluss in der MRC-Region?
In Schwellenländern erzeugt die zukünftige Mittelschicht eine boomende Nachfrage für Produkte und Dienstleistungen aus westlichen Ländern. Prestige und Qualität sind die Schlüsselwörter in einer Gesellschaft, welche auf Status-Suche ist. Das heutige Russland kann diesbezüglich nichts anbieten; in den letzten Jahrzehnten hat Russland einzig allein die Förderung von Naturressourcen als nötig betrachtet. Aber durch die Annahme der Klimaerwärmung und ihren möglichen Folgen, stehen die Dinge für Russland anders. Schauen wir wie und welche Entwicklungen für Russland, Europa, den USA und Brasilien möglich sind. Wir beginnen in der südlichen Hemisphäre:
- Brasilien: Im Jahr 2012 exportiert Brasilien mehr als 13 % in die MRC-Region. Ein Klimawandel könnte dazu führen, dass die gleichen Bedingungen wie im heutigen Australien entstehen. Ein großer Teil des lateinamerikanischen Kontinents würde daher weniger geeignet für die Entwicklung von Kulturen wie Soja, Mais, Baumwolle etc. sein. Bei einem derartigen Szenario entsteht ein Einbruch der Exporte von Nahrungsmitteln und die damit verbundenen Produkte für Europa, China und den Vereinigten Staaten.
- Europa: Europa ist der einzige Kontinent ohne nennenswerte primäre Ressourcen. Der Reichtum an Kultur und Geschichte führte dazu, dass europäische Ingenieure die meisten technischen Errungenschaften von heute entwickelt haben. Zu den Nahrungsmitteln: Die zur Verfügung stehenden Produkte sind von sehr hoher Qualität und die Bevölkerung hat insgesamt eine gut entwickelte Meinung gegenüber gentechnisch veränderten Produkten. Außer den exotischen Produkten könnte sich heute Europa selbst genügen; allerdings könnte diese Situation Europa morgen verlieren. Schließlich halten wir fest (vor allem wegen der fehlenden fossilen und anderen Ressourcen), dass die europäische Bevölkerung immer noch die Fähigkeit hat, die Art des morgigen Energieverbrauches zu bestimmen. Einzig allein Europa hat die Fähigkeit, an tragfähigen Lösungen im Bereich der alternativen Energien zu arbeiten.
- Vereinigte Staaten von Amerika: Auf diesem Kontinent sind alle Superlativen und Übertreibungen für die Verbraucher vorhanden. Mehr und immer billiger zu konsumieren sind die wichtigsten Schlüsselwörter, ich nenne dies das “Walmart-Syndrom“. Während der letzten Jahrzehnte unterstellte sich das Land einen grundlegenden Wandel in die Richtung des tertiären Sektors. Heute werden mehr als 75 % des BIP des Landes in diesem Bereich erarbeitet. Mehr als je zuvor in der Vergangenheit. Und weil die Wiederindustrialisierung voll im Gang ist, sind die Vereinigten Staaten weitgehend, und damit wirtschaftlich anfällig, vom Rest der Welt abhängig. Jede möglichen Veränderungen in diesem Status quo wird stark bekämpft, entweder auf einer administrativen und rechtlichen Ebene, und wenn diese nicht verfügbar sind, wird eine physische Aktion durchgeführt. Laut einigen Berichten ist die CIA beim Flugzeugabsturz, bei welchem Christophe de Margerie tödlich verunglückte, mitverantwortlich. Er war der amtierende Geschäftsführer von Total und vertrat konsequent die Geschäftsinteressen der Gesellschaft in Russland. Die Frage, die unbeantwortet bleibt, ist: „Wie werden die Amerikaner auf den Klimawechsel reagieren?“ – für den wir alle verantwortlich sind und welcher möglicherweise die größten negativen Auswirkungen auf dieses Land haben wird.
- Russland: Mit einer Fläche von ca. 17,1 Mio. km2 ist Russland ist das größte Land weltweit. Dieses Land verfügt über circa 11,5 % aller nutzbaren Flächen der Erde. Heute ist ein großer Teil Russlands landwirtschaftlich nicht benutzbar, entweder aufgrund von Dauerrost oder von wüstenartigen Landstrichen (mangelnde Wasserreserven). Der Klimawandel wird höchstwahrscheinlich für den größten Teil des russischen Hoheitsgebietes ein milderes Klima und abwechslungsreichere Jahreszeiten bringen. Die derzeit nicht nutzbaren Ackerflächen sind die zukünftigen Anlagegebiete, die für die Erarbeitung des asiatischen Ernährungsbedarfes benutzt werden. Eine weitere mögliche Entwicklung, die wir sehen, ist die Erstellung und Förderung der Überland-Transporte (Straße und Schienen). Das Land liegt zwischen Europa und China und kann somit die Brücke für Konsumgüter werden. Denn ein „Punkt-zu-Punkt“-Transport ist schneller als jede Schifffahrt. Dies wiederum würde erlauben, dass Entwicklungen jeglicher Art von Dienstleistungen auf dieser neuen „Seidenstraße“ stattfinden könnten.
In den kommenden Tagen veröffentlichen wir eine Reihe von Artikeln (siehe Liste unten), die über Anlagemöglichkeiten mit Schwerpunkt Russland und China informieren. Sie sind herzlichst eingeladen, den Inhalt weiterzuleiten und Stellung zu den Berichten zu nehmen. Diskutieren Sie mit!
Liste der Anbieter mit folgenden Schwerpunkten:
- Investitionsmöglichkeiten in der Ölindustrie
- Investitionsmöglichkeiten im Dienstleistungsbereich
- Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Infrastruktur-Anbieter
- Investitionsmöglichkeiten in der Landwirtschaft
- Investitionsmöglichkeiten, die Vorteile der globalen Erwärmung ausnutzen können.
