Verstehen Sie die wirtschaftlichen Kennzahlen im Kopfstand? Wir können dies nicht! Hier ist die Sachlage. |
Die Wirtschaftslage in Europa
Das allgemeine Geschäftsklima in der Eurozone erweist sich sehr elastisch. Der durchschnittliche europäische Haushaltsverbrauch steigt an und sorgt somit für einen Anstieg des europäischen Wachstums. Tatsache ist, dank eines tieferen Ölpreises, dass eine durchschnittliche Familie rund 1.000 € mehr an Kaufkraft hat. Trotz dieser Stimulierung sind die allgemeinen Geschäfts-Investitionen (Capex) der europäischen Gesellschaften auf einem Tiefstand. Dies widerspiegelt eine äußerst schlechte langfristige Sichtbarkeit für die Gesellschaften – Gründe dafür sind etwa: Mangel an Verständnis der europäischen Wirtschaftspolitik, der unbeschränkte und nun jahrelange Zufluss von Gastarbeitern aus nicht europäischen Ländern, der zu diesem Zeitpunk seinen Höhepunkt findet. Dies wird langfristig das Funktionieren der Europäischen Union vollumfänglich ändern. Die Einwanderungskrise wird grundlegend eine neue Sozialordnung in Europa schaffen, und die Auswirkungen sowie die Handhabung dieser Sachlage wird größere Auswirkungen haben als die Griechenland-Krise.
Weil sich die gesamte Situation in Europa nicht so schnell und radikal verändern wird, bleibt die spezielle Wirtschaftsdynamik erhalten. Deshalb ist eine relative Outperformance der Sektoren, wie Gesundheit, Finanzen (Retailbanken) und des allgemeinen Haushaltsverbrauches, zu erwarten.
Bezüglich der Inflation erwarten wir, dass diese unter den Erwartungen bleiben wird. Die erwarteten Auswirkungen des europäischen QE sind positiv und auch sichtbar (die europäische QE hat beispielsweise die neueste griechische Krise gut abgewendet = die QE wirkte als Stabilisator für den Markt). Jedoch stellten wir fest, dass die Moral der europäischen Verbraucher nicht auf Hochtouren kommt (diese handeln weit vorsichtiger als ihre amerikanischen oder asiatischen Pendants). Daher erwarten wir, dass die europäische QE in zwei Schritten (Umfang und Dauer) ausgebreitet wird. Dies wird zufolge haben, dass die Zinssätze für die kommenden Jahre sehr niedrig bleiben werden (es kann erwartet werden, dass bis ins Jahr 2019/2020 die Zinsen in Europa niedrig bleiben werden). Dies wird den Konsumenten gefallen. Dieser Status quo wird auch auf den Märkten begrüßt; Finanztitel, Titel aus dem Bau und der Industrie (vorab Dienstleistungsgesellschaften und allgemeine Wartungs- und Engineering-Aktivitäten) sollten davon profitieren.
Außerhalb Europas ist die Situation mehr vielschichtig. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den USA wird bestimmend sein; die erste Zinssatz-Erhöhung in den USA wird von Arbeitsstatistiken, die an diesem Freitag plubliziert werden, abhängen. Die allgemeine Annahme war bis jetzt, dass die erste Intervention im September stattfinden soll, aber die jüngsten Verwirrungen an den Märkten und die negativen Finanzflüsse aus den Aktien- und Obligationen-Märkten der letzten Wochen zeigen klar, dass sich auch der amerikanische Investor sorgen mit der Sichtbarkeit macht. Obwohl eine Intervention des FEDs im September als möglich gehalten werden darf, die bleibende große Frage ist dennoch: Wie viel kommt danach und wann? Es scheint uns, dass diese einzige Frage den Markt beeinflusst – und dies ist äußerst beunruhigend.
Eine Erhöhung der Kapitalkosten im USD-Raum wird eine ganze Reihe von Auswirkungen haben. So zum Beispiel erwarten wird, dass a) die Gewinne der amerikanischen Gesellschaften, die historisch gesehen überaus stark fremdfinanziert sind, sich vermindern werden, b) die Attraktivität für Anlagen in USD, und besonders an der Börse von New York, wird sich somit abflachen, c) die Gesellschaften aus Entwicklungsländern werden ihre Carry-Trades gegenüber dem USD abbauen, d) weil weltweit weniger produziert und gehandelt wird (oder auch weil bestehende Rohstoffwerte besser aufgearbeitet werden) sinkt die Nachfrage nach Rohöl und den Folgeprodukten. Aus diesem Grund und als direkte Folge werden Länder, wie das Königreich von Saudi-Arabien, Venezuela, Iran, Mexiko, verpflichtet sein, ihre USD-Investition zu reduzieren, um ein gutes Funktionieren ihres Staatsbudgets und vor allem ihres Sozialsystems aufrechtzuerhalten. Deshalb, obwohl die Attraktivität der amerikanischen Währung bestehen bleibt, erwarten wir eine Abwertung in den kommenden Monaten mit einem Zielbereich von 1.18 – 1.20 für das Währungspaar EUR/USD.
Entwicklungsländer:
Alle Regierungen rund um den Erdball streben mehr oder weniger das gleiche Ziel an: dass es ihren Bürgern gut geht. Die westlichen Länder haben in den letzten Jahrzehnten, ja sogar in den letzten Jahrhunderten, den Begriff „guter Lebensstandard“ in einer gewissen Weise definiert. Diese Definition ist jedoch nicht der Standard für alle Regierungen und noch weniger, wie man ein Volk dorthin führen kann. Jede Landesregierung glaubt, dass seine Lösung sauber und im Einklang mit der Umwelt ist. So zum Beispiel wird in der westlichen Welt eine unmittelbare und messbare Wirkung einer Entscheidung als richtig gehalten. In den Entwicklungsländern bevorzugen die Politiker und Minister, die Bankiers von Zentralbanken und andere Vertreter das Endziel und nicht das Zwischenergebnis. Gerade deshalb ist das Ablehnen des Faktors „Zeit“ für diese Nationen von großer Bedeutung; dies ist erklärbar, weil ein sozial-politisches Netzwerk mit Voltaire, Tocqueville, Montesquieu, Hayek, Friedman, Kaynes etc. möglicherweise nie als eine Variante in Betracht kommen kann.
China: Die jüngste Marktkorrektur des chinesischen Aktien-Marktes wird nur geringfügig das Konsumverhalten in China verändern. Nur 12 % der chinesischen Bevölkerung halten Investitionen, die an der Börse gehandelt werden. Obwohl die chinesische Zentralregierung gewisse Stützungsmaßnahmen gewähren sollte (vorab mündlich), wird diese unumstritten an ihrem langfristigen Ziel (Verbesserung des Lebensstandards für die Bevölkerungsbasis) festhalten. Die wirtschaftliche Tätigkeit dieser Bevölkerungsschicht wird es China erlauben, dass sich das Wachstum in den nächsten Quartalen stabilisieren wird, und dann weiterhin langfristig vorangetrieben wird.

