Zurück

Russland – Schlange stehen, und auf bessere Zeiten warten?

Schlange stehen, und auf bessere Zeiten wartenDer militärische Eingriff Russlands an diesem Wochenende trägt zur allgemeinen Eskalation in der Region der Ukraine bei. Ergänzend hat am Montag die russische Zentralbank den Leitzinssatz nach oben korrigiert. Und zum vierten Monat in Folge wird der PMI-Index unter der 50-Punkte-Marke liegen.

Russland ist in eine Sackgasse geraten – politisch, wirtschaftlich und strategisch! Doch das Problem ist: Russland ist ein großes Land, und die Auswirkungen, vor allem auf Europa (75 % der Gasimporte durchqueren die Ukraine), sind hoch. Was noch wichtiger ist, Russland ist reich an Ressourcen, somit kann man das Land nicht auf wirtschaftliche Sanktionen aussetzen.

Bei der gegenwärtigen Krise gibt es einige Parallelen zu einem anderen Ereignis aus dem Jahr 2008. Damals nahm Vladimir Putin an der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking teil. Seinerzeit führte die Krise zu einer der größten Sell-Offs in der Geschichte des russischen Aktienmarktes. Dieses Mal nutzte Putin das Ende der Olympischen Spiele in Sotschi, um seinen Kampfzug auszuführen. Die Sache ist, wie fast immer, es wurde versucht, mit den Olympischen Spiele vom eigentlichen Sachverhalt abzulenken.

In den vergangenen Jahren, obwohl die Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe gingen, rutschte die russische Wirtschaft in ein Handelsdefizit. Das erwartete Wirschaftswachstum für das Jahr 2013 liegt unter 1,3 Prozent, und es kann davon ausgegangen werden, dass das Land in eine Rezession (unter Berücksichtigung der jüngsten Ereignisse) rutscht.

Unabhängig von den unmittelbaren Folgen der gegenwärtigen Krise gibt es ein neues Paradigma, das wir berücksichtigen müssen. Weil das Land über die erforderlichen Ressourcen in Bezug auf Bevölkerung, Territorium und, was am Wichtigsten ist, an Rohstoffen wie Öl, Gas und anderen Mineralien verfügt, wird es seine Position als Großmacht um jeden Preis verteidigen. Das Problem liegt in der Tatsache, dass sich Russland politisch und wirtschaftlich in einer schwierigen Situation befindet. Diese Tatsache kann dazu führen, dass die Regierung um jeden Preis eine Lösung suchen wird.

Fazit:
Für den Fall, dass die jüngsten Schritte zu einer größeren Eskalation führen würden, wäre eine Rückkehr zu der Zeit vor 1989 und der Berliner Mauer möglich. Durch meine Reisen in Russland sah ich deutlich, wie dieses Land von westlichen Technologien und anderen Anwendungen abhängig ist. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Russland auch ohne diese modernen Technologien überleben kann. Der Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Russland wäre für Europa viel schlimmer. Es sind nicht nur die Exporte an Russland, die durch eine Beendigung der wirtschaftlichen Beziehungen wegfallen würden, sondern auch, und vor allem, die europäische Stabilität und das langfristige Ziel Europas, was hinterfragt werden müsste.

25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer könnte die Mauer wieder aufgebaut werden. Der Standort ist nicht mehr Berlin, sondern östlicher. Jedoch würde sich dies für die Volkswirtschaften in Europa weitaus schlechter auswirken, als für Russland!