Einige von uns stellen den allgemeinen Optimismus – hinsichtlich Konjunktur und den Einfluss der Erhöhung von kurzfristigen Zinsen für Anleihen – der ganzen Welt infrage. Viele sehen darin ein Warnsignal auf langfristige Wachstumsaussichten. Warum?
Bestimmt widerspiegeln die kleineren Erträge aus Schuldverschreibungen die jüngste Überarbeitung der Wirtschaftswachstumprognose und den Inflationserwartungen, die im ersten Quartal sehr gering ausfielen.
Und in der Zukunft?
Wenn man nur die kurzfristigen und negativen Faktoren betrachtet, insbesondere die klimatischen Bedingungen in den entwickelten Ländern, und die Auswirkungen der verzögerten Rehabilitation der Staats-Haushaltspläne (Auswirkung die konstant abnehmen werden), spiegelt der Rückgang der Erträge aus Anleihen die allgemeine Lockerung der finanziellen Wirtschafts-Bedingungen wider. So betrachtet stellt man fest, dass die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten weiteren Aufschwung erleben wird, und demnach sollten die Aktienmärkte und die Gesellschaftsbewertungen eher positiv gestellt sein.
Hoffen wir, dass die Meldung, die von den Anleihenmärkten kommt, richtig ist. Die Wachstumsaussichten und die besseren finanziellen Bedingungen stellen die beste Unterstützung für einen neuen Wirtschaftszyklus dar. Angesichts des Angebotsüberschusses auf dem weltweiten Arbeitsmarkt – und insbesondere in den entwickelten Ländern – erscheint uns eine kurzfristige Beschleunigung der Weltwirtschaft, und somit der Inflationsraten, eher unwahrscheinlich. Dies, weil die Kaufkraft von “Average Jo” nicht gerade gut ist! Das bedeutet, dass manche Zentralbanken weiterhin eine große Handlungsfreiheit für ihre Geldpolitik haben.
Was uns mehr beunruhigt, ist die Anhebung der amerikanischen Zinssätze und dies während der Beendigung des QE. Das Ende des QE könnte zu einer Realität im dritten Quartal werden. Möglicherweise werden die Märkte die Erhöhung der Zinsen sehr schlecht verdauen.
Derzeit sehen die Märkte die amerikanischen Zinsen für 10-jährige Anleihen bei 2,6 %. Auch wenn das niedrig ist, eine Erhöhung der amerikanischen Zinsen bringt Volatilität für die Aktienmärkte sowie für die Geldströme mit sich. Wir erwarten, dass weiterhin Geld aus den Randregionen und den Entwicklungsländern in die Vereinigten Staaten abfließen wird.
In Europa ist die Analyse anders: In den nächsten 12 Monaten zeichnet sich eine Verringerung des Spreads (Differenz, Spanne) zwischen den italienischen und spanischen Anleihen ab. Die jüngsten Erklärungen der EZB unterstützen die Anleger für ein Engagement in diesen Märkten. Der Rückgang der Zinsen spiegelt außerdem die bessere Nachhaltigkeit der öffentlichen Schulden wider, somit haben wir hier die Situation der Selbstheilung.
Welches sind die Risiken?
Zweifellos kann man Folgende nennen:
- die geopolitischen Spannungen (Krim-Krise, negative Wirkung der Europawahlen)
- die Risiken der wichtigsten makroökonomischen Wirtschaften (USA und China):
- für die USA:
a) eine stärkere Erhöhung der erwarteten Inflatio
b) überschätzte Wachstumsaussichten
- für China:
a) Nicht-Anpassung der Schwellenländer gegenüber der Wachstumsabschwächung in China
b) das nicht Abbauen der Privatschulden.
