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Wachstum, Defensive oder zyklische Investitione…

Sektoren mit hoher MehrwertkreationSeit 1990 wurden Kapitalanleger in regelmäßigen Abständen von immer wiederkehrenden Ereignissen erfasst und die Aktienanlagen wurden zu einer eigenartigen Achterbahn. Zahlreiche weltumfassende Ereignisse, wie die Entwicklung von Internet, ein Überangebot von Billigwohnungen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die Niedrig-Zins-Politik der Zentralbanken, Verminderung von Bilanzsummen bei den Zentralbanken sowie der Konkurs von Großbanken, waren meist der Ursprung von Korrekturen. Heute sind Investoren höheren Risiken ausgesetzt als in der Vergangenheit. Die Nervosität der Märkte widerspiegelt dies in bester Art und Weise.

Was hat sich geändert?

In den letzten 30 Jahren entstanden neue Technologien, die unser Leben grundlegend verändert haben, und diese verlangen heute eine Neuausrichtung unseres Geschäfts- und Investitionsmodells. In dem Zeitraum 1980 bis 2010, also im ersten Kapital der neuen Wirtschaftswelt, entstanden riesengroße Marktgelegenheiten für bestehende Gesellschaften, welche eine perfekte Mischung aus Zutaten von Soft-Informationen, Hardware und Arbeitskräften waren. Die maßgebende Zielgröße war das Umsatzwachstum um jeden Preis. Großgesellschaften verdreifachten in diesem Zeitpunkt ihren EBIT-Leistungsbeweis, welches eine Schlüsselfigur einer jeder Gesellschaft ist (EBIT = Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern). Es gibt verschiedenartige Gründe für diese positive Entwicklung, aber die bemerkenswerteste Änderung ist, dass während dieser Periode mehr als 1 Milliarde Menschen aus der Armut gehoben wurden, und dass diese zu wertvollen Konsumenten wurden.

Die größten Unternehmen der Welt sind bis dahin größtenteils in der westlichen Hemisphäre ansässig. Wir erwarten jedoch größere Veränderungen diesbezüglich; denn in Zukunft werden die wertvollsten und zahlreichsten Verbraucher nicht mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika oder in West-Europa sein, sondern in Asien. Noch wichtiger, bis dahin beherrschten westliche Firmen die weltweiten Verbrauchermärkte, aber ab morgen werden neu gegründete Firmen in aufstrebenden Regionen um ihren lokalen Marktanteil werben. Also werden über einen längeren Zeitraum neue Industrieriesen entstehen. Westliche Gesellschaften werden dieser neuen Konkurrenz nur mühsam standhalten können, denn unsere Firmen müssen höheren Normen gerecht werden. So zum Beispiel müssen westliche Banken mehr Eigenkapital aufbringen, andere Industriezweige müssen höhere umweltschonende Normen erfüllen – und global schützt unser Gehalt- und Sozialsystem weit besser als in aufstrebenden Märkten. Neu eingeführte Richtlinien sind meistens betriebshemmend und führen zu Massenentlassungen! Dies wiederum verringert die Kaufkraft einer Bevölkerung – meistens der Mittelklasse – und schließlich fällt das Bruttoinlandprodukt.

Noch wichtiger: Technologien, die neue Verbindungen für die täglichen Arbeiten (sei es privat oder am Arbeitsplatz) schaffen, verlangen, dass sich Firmen schnell an neue Realitäten anpassen, um auftauchende Geschäftsgelegenheiten auffassen zu können und in Umsatzvolumen umsetzen können. Neu-Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologie, IDD, Robotertechnik und Automation verlangen jedoch, dass Administrationsaufgaben, Steuern und andere Richtlinien möglichst tief gehalten werden sollten. Jeder staatliche Eingriff in das tägliche Gesellschaftleben ist – langfristig gesehen – negativ (und diese sind gegenwärtig in einem Allzeithoch). Insofern kann also das 1. Kapitel der neuen Wirtschaftsgeschichte schließen.

Was bringt uns das 2. Kapitel für Investoren?

Die neuen Richtlinien fordern die bestehenden Geschäftsmodelle heraus. Treten zusätzlich externe Elemente, wie höhere Eigenkapital-Quoten, neue Umwelt-Auflagen oder höhere Lohn- und Sozial-Forderungen auf, stehen die meisten Gesellschaften von nie vorhandenen Problematiken. Wir erachten deshalb, dass bekannte Messwerte, wie das “Beta”, überholt sind. Mit einfachen Worten ausgedrückt ist die Beta-Ratio eine Look-back-Methode, welche die Differenz der historischen Preisbildung einer Aktie und des Marktes widerspiegelt. Um die voranstehenden Veränderungen besser aufgreifen zu können, ist es deshalb angebracht, dass für erfolgreiche Investitionsentscheidungen, ein neuer Standard entwickelt werden muss. 

Wir erwarten, dass in der Zukunft Gesellschaften, welche ideen-intensive Güter und Dienstleistungen anbieten, ein erfolgreicheres Geschäft führen werden als kapital- oder arbeitsintensive Gesellschaften. Meistens werden diese Technologien und Dienstleistungen von Micro- und Nano-Gesellschaften beherrscht. Diese haben einen bemerkenswerten Vorteil, sie haben keine Altlasten und sie können sich somit vollumfänglich neuen Aufgaben widmen. Ein möglicher Umbauansatz für bewährte Gesellschaften besteht darin, bestehende Infrastrukturen neuartig zu bewirtschften. Wer sich vollumfänglich dem Schlüsselelement „Umsatz-Wachstum“ oder im Vermögensverwaltungsbereich „Erhöhung des verwalteten Vermögens“ widmet, wird gegenüber neuen ideen-intensiven Gesellschaften kaum standhalten können. 

Dazu gibt es viele wertvolle Beispiele, wo bestehende Gesellschaften oder Sektoren von neuen Ökosystemarten herausgefordert werden. Ideenreiche Gesellschaften bearbeiten bestehende Infrastrukturen besser, kundenfreundlicher und kostengünstiger für die Endverbraucher. Paradebeispiele sind: Skype im Fernmeldesektor, Uber im Transport-Sektor, Airbnb im Hotel- und Freizeitbereich, Charles Schwab im Maklergeschäft und Google im Werbebereich.

Die Leistungsanalyse von Niedrigbeta und fast betaneutralen Gesellschaften zeigt, dass solche Anlagen keine Gewährleistung für einen langfristigen Anlageerfolg aufweisen. Die Analyse zeigt auch, dass diese Aktien während der letzten Börsenkorrekturen die gleichen relativen Korrekturen – gegenüber dem durchschnittlichen Markt – und somit eine schlechtere Leistungsbilanz aufgewiesen haben als andere Unternehmen.

Es ist deshalb angebracht, dass die bekannte und oft genutzte Beta-Kennzahl aufgegeben wird und einem neuen Ansatz Platz macht. Die unten stehende Analyse zeigt, welche Sektoren ideen-intensive Waren und Dienstleistungen schon jetzt in langfristige Investitionserfolge umwandeln.